EX.UA: Das unerwartete Ende der Online-Piraten

Die Ermittlungen deckten Veruntreuer, Betrüger und Drogenhändler auf. Mindestens 10 % aller ukrainischen Internetnutzer besuchen EX.ua regelmäßig. Mehr als zwei Millionen Menschen schauen sich Filme, Musik, Spiele und Software online an oder laden sie auf ihren Computer herunter. Ihnen allen ist klar, dass die Nutzung der kostenlosen Dienste dieser Website illegal ist, aber niemand scheint sich darum zu kümmern.

Emissionspreis

Das Knifflige daran ist, dass EX.ua die Inhalte nicht direkt von den Urheberrechtsinhabern „ausleiht“, sondern sie von anderen „Piraten“ „stiehlt“ – großen russischen Torrent-Trackern oder direkt von den Websites halblegaler (oder sogar illegaler) Studios, die ausländische Originale ins Russische synchronisieren. Mit anderen Worten: Sie bestehlen die Diebe. Mit diesem einfachen Geschäftsmodell erwirtschaftet ein kleines Team von einem halben Dutzend Leuten ein beträchtliches Einkommen. Nach unseren vorsichtigen Schätzungen könnte der Umsatz von EX.ua dank aggressiver Videowerbung 100 UAH pro tausend Seitenaufrufe erreichen. Wenn man bedenkt, dass die Anzahl der Seitenaufrufe auf dieser Website eine Million pro Tag erreichen kann, kann man den Betrag mithilfe eines Rechners grob schätzen. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass 50 % dieses Geldes an Vermittler in Form von Werbeagenturen gehen, bleibt die Zahl „genug“ – bis zu eineinhalb Millionen Hrywnja pro Monat.

720.000 Dollar pro Jahr sind im Prinzip keine große Summe. Viele kleine ukrainische IT-Unternehmen verzeichnen um ein Vielfaches höhere Beträge, und sie verstoßen weder gegen das ukrainische Strafgesetzbuch noch gegen die Gesetze westlicher Länder. Doch EX.ua hat noch eine andere Seite: den Schaden, den es den Content-Produzenten zufügt. Selbst wenn wir den Aufruf oder Download eines Films, einer Serienepisode, eines Musikalbums, eines Computerprogramms usw. mit einem symbolischen Dollar bewerten, beläuft sich der jährliche Gesamtverlust für die Urheberrechtsinhaber auf Hunderte Millionen Dollar.

Die Verluste des Landes durch die „Kooperationen“ von EX.ua und ukrainischen „Schara“-Enthusiasten könnten sich auf Milliarden belaufen. Im April dieses Jahres veröffentlichte das Büro des US-Handelsbeauftragten seinen jährlichen Sonderbericht 301, der sich mit dem weltweiten Schutz geistiger Eigentumsrechte befasst. Wie im letzten Jahr steht die Ukraine zusammen mit elf anderen Ländern auf der Prioritätenliste. Dieser Status ist etwas besser als der eines vorrangigen ausländischen Landes, signalisiert aber dennoch ein unzureichendes Niveau des Schutzes geistigen Eigentums im Land. Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, dass die Aufnahme des Landes in die Liste als Signal dienen sollte, dass es Zeit ist, Maßnahmen zur Bekämpfung der Piraterie zu ergreifen. Sollte das Land nicht reagieren, könnte die US-Regierung durchaus eine Beschwerde bei der WTO einreichen. Und dann wird es Konsequenzen geben.

Und das wirft Fragen auf. Warum ignorieren die ukrainischen Behörden, die lautstark ihren Kampf gegen Korruption im Besonderen und Kriminalität im Allgemeinen erklärt haben, EX.ua? Warum sind die Piraten für die Cyberpolizei unerreichbar? Und vor allem: Wer steckt hinter ihnen?

Anfang 2012, als das Innenministerium im Rahmen einer Untersuchung wegen der Verbreitung von Raubkopien die Server von EX.ua beschlagnahmte, ertrank der jüngste Sohn des damaligen Präsidenten, Viktor Janukowitsch, beim Schlittschuhlaufen auf dem Baikalsee. Dies gab Anlass zu der Vermutung, dass jemand aus der „Familie“, vielleicht sogar der Sohn des Diktators selbst, hinter EX.ua steckte. Bekanntlich interessierte sich Viktor Janukowitsch nicht nur für Rennwagen und Alkohol, sondern auch für die IT-Branche und schrieb darüber sogar „philosophische“ Artikel für die ukrainische Zeitung Prawda. Doch erneut stellt sich die Frage: Warum greifen die Strafverfolgungsbehörden jetzt nicht gegen diese „Raubkopien“-Ressource ein, wo ihre Tarnung doch längst aufgetaucht ist?

Offshore-Geschichte
Experten spekulierten zuvor, dass EX.ua einem großen inländischen IT-Unternehmen gehört. Wie schon 2012, als es nach der Beschlagnahmung der EX.ua-Server zu einem Skandal kam, befinden sich die Server der Website derzeit im Volia-Rechenzentrum. Im Mai dieses Jahres, als die Website durch einen massiven DoS-Angriff einer amerikanischen Hackergruppe mehrere Tage lang lahmgelegt wurde, wurden einige Nutzer von EX.ua auf volia.com umgeleitet.

Laut der Online-Publikation MediaNanny ist Providence Equity Partners, ein auf mehrere gleichnamige Unternehmen der Cayman Islands registrierter Fonds, der über eine Offshore-Gesellschaft auf Zypern der größte Anteilseigner von VOLIA ist. Providence Equity Partners kontrolliert 34,92 % des Anbieters. Weitere 15,3 % hält SigmaBleyzer, ein in Dänemark registrierter Fonds unter dem Einfluss des aus Charkiw stammenden US-Bürgers Michael Blazer. Allerdings sind in der Struktur drei Unternehmen (je 12,5 %) als Eigentümer von SigmaBleyzer aufgeführt, zusammen mit mehreren anderen Anteilseignern mit Anteilen von weniger als 10 %. Drittgrößter Anteilseigner von VOLIA mit einem Anteil von 11,68 % ist die zyprische Offshore-Gesellschaft Braeside Investments, die der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (37,39 %), Unternehmen aus Luxemburg und Großbritannien (je 10 %) und anderen mit Anteilen von weniger als 10 % gehört. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass auch diese Offshore-Firma im Einflussbereich von Blazer liegt, denn die Unternehmen, denen Braeside Investments gehört, besitzen auch SigmaBleyzer. Die übrigen Anteilseigner sind sieben Unternehmen mit Anteilen zwischen drei und acht Prozent. Darunter sind zwei US-Unternehmen, jeweils eines aus Belgien und Großbritannien, zwei zypriotische Offshore-Unternehmen und eines von den Cayman Islands.

Bemerkenswert ist, dass Blazer das Unternehmen 2007, auf dem Höhepunkt seines Kurses, an den Private-Equity-Fonds Providence Equity Partners verkaufte. Der genaue Prozentsatz wurde nicht bekannt gegeben, aber das damalige Kartellamt hatte nur den Verkauf von 50 % des Unternehmens genehmigt. Der Wert des Deals belief sich auf rund 300 Millionen Dollar. Es wurde damals auch berichtet, dass SigmaBleyzer 32 % von Volia behielt.

Providence Equity Partners ist einer der weltweit größten Private-Equity-Fonds im Medien- und Telekommunikationssektor. Das Unternehmen verwaltet Investitionen in Höhe von insgesamt 21 Milliarden US-Dollar und hat seit seiner Gründung im Jahr 1989 in mehr als 100 Unternehmen in über 20 Ländern investiert.

Ex ua
Es ist möglich, dass einer der anonymen Kunden von Providence Equity Partners, SigmaBleyzer oder andere ehemalige Volia-Aktionäre in EX.ua investiert haben, weshalb sich die Server der Website im Rechenzentrum dieses Unternehmens befinden. Dies ist unwahrscheinlich (wenn auch nicht völlig unmöglich). Höchstwahrscheinlich bot Volia dem EX.ua-Team damals die günstigsten Konditionen an. Die Website hostet oder mietet 150 bis 200 Server von diesem Anbieter, was Volia etwa 150 UAH pro Monat einbringen könnte. Obwohl niemand direkte Ansprüche gegen EX.ua geltend gemacht hat, ist es unwahrscheinlich, dass das für seine Gier bekannte Unternehmen dieses Geld ablehnen wird.

Darüber hinaus ist es keine Tatsache, dass EX.ua weiterhin die Ressourcen von Volia nutzt …

Russische Verbindung. Ein bisschen Drogen und Pornos.
Nach der Untersuchung der IP-Adresse (186.2.163.200), mit der der Domänenname EX.ua seit Mitte Juni 2016 verknüpft ist, waren wir etwas verwirrt.

13754555_1036581856390738_8117603283008109044_n

Physisch befindet es sich in der Notunterkunft des Vaters des verstorbenen EX.ua-Verteidigers – in Rostow am Don, Russland – und gehört der belizischen Offshore-Firma Dankom LTD, die von zwei unternehmungslustigen Rostower Programmierern gegründet wurde.

Wir vermuten, dass EX.ua DDoS-Schutz und/oder andere Dienste von DDoS-GUARD bezieht, einem mit Dankom verbundenen Unternehmen mit Sitz in Rostow. Die Dienste von DDoS-GUARD ermöglichen es unter anderem, den tatsächlichen Standort der physischen Server der Website zu verbergen. Ganz zu schweigen von Informationen über die Website-Betreiber.

Angesichts der Tatsache, dass EX.ua in Russland als verbotene Website gelistet ist, erscheint es merkwürdig, dass sich die Betreiber der Website für die Zusammenarbeit mit russischen Partnern entschieden haben. Es ist verständlich, dass westliche Branchenführer keine Verbindung zu einer Ressource eingehen möchten, die gegen das Strafrecht verstößt. In EX.uas Heimatland, der Ukraine, gibt es jedoch zahlreiche Anbieter, die ähnlich hochwertige Produkte und Dienstleistungen zu erschwinglichen Preisen anbieten.

Dafür gibt es zwei Erklärungen. Erstens: Sollte die Cyberpolizei einen Gerichtsbeschluss haben, wäre das ukrainische Unternehmen gezwungen, seine Passwörter und Adressen preiszugeben. Zweitens sind Dankom LTD und die mit ihm verbundenen Unternehmen nicht einfach nur IT-Unternehmen, die Sicherheit, Hosting und andere Dienstleistungen anbieten. Sie sind ein Tor zum Darknet, wo man sich unter anderem anonym mit Drogen eindecken kann.

Die meisten Kunden von DDoS-GUARD sind eindeutig betrügerische Websites, die sich auf schnelles Geldverdienen im Internet spezialisiert haben, wie beispielsweise EX.ua, aber auch kleinere Datenbanken mit Raubkopien, dubiose Kryptowährungsbörsen und dergleichen. Kurioserweise gehören zu dieser verdächtigen Gruppe von DDoS-GUARD-Kunden die offizielle Website von Echo Moskwy und die ukrainische Nachrichtenquelle mit zweifelhaftem Ruf, Antikor.

Übrigens ist eine andere Dankom-IP-Adresse in Belize mit einer Pornoseite und einem Prostituiertenportal in Nischni Nowgorod verknüpft.

Ein weiteres Unternehmen aus dem Umfeld von Dankom LTD ist erwähnenswert – Promanaged Llc.

Seine belizische IP-Adresse hostet lediglich sieben Websites. Einige davon sind nicht erreichbar. Der Rest sind E-Währungsumtauscher, Gateways zum Darknet und Online-Shops, die synthetische Drogen per Drop-off-Methode verkaufen.

Schauen Sie sich die weltweite Popularität dieser Websites an. Es scheint, als ob es diesen „Startups“ recht gut geht.

Es ist zweifelhaft, dass die Eigentümer von EX.ua die Partnerschaft mit den in Rostow ansässigen „Belizianern“ ausschließlich aus Preis-Leistungs-Gründen eingegangen sind. Vielleicht gibt es zwischen ihnen auch andere Verbindungen: Entweder haben EX.ua und Dankom gemeinsame Eigentümer, oder die Gründer dieser Unternehmen kennen sich einfach persönlich.

Zwei Punkte sind jedoch zu beachten. Erstens ist der Aufbau eines Offshore-Netzwerks, selbst eines kleinen wie Dankom, nicht gerade billig. Der Gründer benötigt ein Startkapital von mehreren Hunderttausend Dollar. Zweitens benötigt Dankom LTD, wie EX.ua, angesichts seiner spezifischen Kundenbasis einen einflussreichen „Beschützer“. Natürlich innerhalb der Russischen Föderation.

„Ohren“ der jungen Oligarchen
Bis Mitte 2012 galten die lettischen Staatsbürger Yuri Piskovij (Juris Piskovoys) und Valery Vavilov als Eigentümer von EX.ua. Doch wie der Journalist Graham Stack bei seinen Recherchen für Business New Europe herausfand, handelt es sich bei ihnen in Wirklichkeit lediglich um nominelle Vertreter unbekannter Personen.

Im März 2011 erklärte Jurij Piskowyj gegenüber der Kyiv Post, er sei Miteigentümer des Portals. Ein Journalist von Business New Europe begann diese Behauptung anzuzweifeln, nachdem er Piskowys enge Verbindungen zum lettischen Unternehmen International Overseas Services (IOS) entdeckt hatte.

Erinnern wir uns daran, dass mit Hilfe eben dieser Struktur das Unternehmen Highway Investment Processing gegründet wurde, das die als „Boyko-Bohrinsel“ bekannte Offshore-Bohrinsel mit einer Marge von 150 Millionen Dollar an Chornomornaftogaz verkaufte.

Die nominellen Eigentümer von Highway Investment Processing waren die Rigaer Erik Vanagels und Stas Gorin.

Business New Europe fand heraus, dass Piskovii im Jahr 2010 ein Büro für die Kiewer Repräsentanz von International Overseas Services (IOS) eröffnete und dort auch Personal einstellte.

Das Büro befand sich in der Nähe der Werchowna Rada und des Ministerkabinetts. Es wurde 2011 unmittelbar nach den aufsehenerregenden Korruptionsskandalen im Zusammenhang mit der Beschaffung einer Bohrinsel geschlossen.

Im Jahr 2011 erklärte Piskov gegenüber BNE, dass er das IOS-Büro als Gefallen für seinen Freund, den IOS-Manager Arvis Steinberg, eröffnet habe und keine Verbindung zu der lettischen Firma habe.

Gleichzeitig wurde mindestens eine Offshore-Firma, die EX.ua besitzt – Altercom Ltd. (Denver) – von einer der IOS-Firmen gegründet, nämlich der panamaischen Cascado AG. Die Geschäftsführer dieser panamaischen Firma sind die in der Ukraine wohlbekannten Eric Vanagels und Stas Gorin.

Piskov war nicht in der Lage, gegenüber dem Journalisten einen Kommentar zu diesem seltsamen Zusammentreffen von Fakten abzugeben.

„Piskovys Beziehung zu IOS lässt den Verdacht aufkommen, dass er lediglich der nominelle Eigentümer des Portals ist. Viele glauben, der wahre Eigentümer sei einer der größten ISPs oder Webhoster der Ukraine. Dies könnte möglicherweise erklären, warum die ukrainische Site im Gegensatz zu geschlossenen amerikanischen Filesharing-Sites so schnell durchstartete“, schrieb Graham Steck.

Seit Stecks ​​Ermittlungen ist einige Zeit vergangen – einiges hat sich geändert, und einiges Neues ist ans Licht gekommen. So soll beispielsweise der nominelle Mitgründer von EX.ua, Valeriy Vavilov, EX.ua 2014 verlassen und sein eigenes „Startup“, die BitFury Group, gegründet haben, das nach eigenen Angaben Geräte zum Mining von Bitcoin und anderen Kryptowährungen herstellt. Bitcoin ist die wichtigste Währung im „Geschäft“ der bereits erwähnten Dankom Group. Das bedeutet natürlich nicht zwangsläufig, dass Vavilov mit den Machenschaften der „Rostov Belizeans“ in Verbindung steht. Eine andere Nuance ist wichtig.

Heute wissen wir bereits, dass das im Zusammenhang mit der Gründung von EX.ua erwähnte Projekt „Boyko-Türme“ korrekter als „Boyko-Türme“ bezeichnet werden sollte.

Erinnern wir uns, wie es war.

Im Jahr 2010, nach dem Sieg von Viktor Janukowitsch bei den Präsidentschaftswahlen und der Ernennung von Jurij Bojko zum Energieminister, kehrte Serhij zu Naftogaz zurück. Zunächst leitete er die Tochtergesellschaft des Monopols, Ukrnaftogazkomplekt, die die gesamte Naftogaz-Struktur materiell unterstützte, und wurde später unter Jewhen Bakulin stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Dort war er für Ausschreibungen und Beschaffungen für staatliche Unternehmen der Branche verantwortlich.

Zur gleichen Zeit wurde Sergejs jüngerer Bruder Alexander stellvertretender Vorstandsvorsitzender von Tschornomornaftogaz, dem größten staatlichen Öl- und Gasunternehmen. Sergej gibt zu, dass er selbst zu dieser Ernennung beigetragen hat. „Er ist mein Bruder! Wem sonst soll ich helfen?“, fragt er.

Im Sommer 2011 brach nach der Veröffentlichung des Artikels „Bohrinsel für Bojko“ in Zerkalo Nedeli ein Skandal aus. Tschornomornaftogaz kaufte die Hubbohrinsel „Petro Godovanets“ von der fiktiven britischen Firma Highway Investment Processing LLP für 400 Millionen Dollar, obwohl ihr Marktwert bei rund 250 Millionen Dollar lag. Eine ähnliche Plattform, „Nezalezhnist“, wurde später zum gleichen Preis von der lettischen Werft Rigas Kugu Buvetava erworben. Tatsächlich wurden beide Bohrinseln in Singapur auf den Werften des lokalen Unternehmens Keppel FELS gebaut. Dies ging aus der Unternehmenspublikation hervor, die als PDF-Version auf der offiziellen Website verfügbar ist.

„Ich würde Boykos Türme ‚Boykos Türme‘ nennen, denn das war von Anfang bis Ende ihr Plan. Sascha ist mehrmals nach Lettland und in den Osten geflogen, um zu verhandeln“, erklärte ein Geschäftsmann aus Charkiw, der die Familie kennt, gegenüber Forbes.ua unter der Bedingung der Anonymität.

Sergej behauptet, er habe nur ein Ziel verfolgt: die Plattformen auf dem Schelf des Schwarzen Meeres zu platzieren. Asiatische Plattformhersteller misstrauen ukrainischen Käufern schlichtweg. „Versuchen Sie mal, eine Bohrinsel aus Singapur oder China zu kaufen“, sagt er. „Niemand wird sie Ihnen verkaufen. Deshalb haben wir einen Vertrag mit einem Unternehmen unterzeichnet, das sich bereit erklärte, an der Ausschreibung teilzunehmen und alle gesetzlich vorgeschriebenen Dokumente vorzulegen.“

Forbes.ua hat herausgefunden, dass Chornomornaftogaz vor seinem Einstieg in die Branche mit dem chinesischen Unternehmen Yantai Raffles Offshore Ltd. eine Vereinbarung über den Kauf derselben Hubbohrinsel für 190 Millionen Dollar getroffen hatte. Später wurde sie den Singapurern über Zwischenhändler für 400 Millionen Dollar abgekauft. Der Vertrag wurde im Oktober 2010 unterzeichnet. Laut der offiziellen Antwort von Chornomornaftogaz habe das chinesische Unternehmen die Vertragsbedingungen hinsichtlich der Stellung einer Bankgarantie nicht erfüllt, weshalb der Vertrag ohne Nachteile für beide Parteien gekündigt wurde. Dies geschah Anfang 2011, als die Brüder in den Beschaffungsprozess eintraten.

Der ältere Bruder, Sergej, ist inzwischen im Ausland auf der Flucht. Der jüngere Bruder, Sascha, sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm wird Erdgasbetrug vorgeworfen, der zuvor dem Galionsfigur der „Familie“, Sergej Kurtschenko, zugeschrieben wurde. CRiME berichtete bereits zuvor, dass hinter dem „jungen Oligarchen“ Kurtschenko ein Clan stecke.

Interessanterweise startete Alexander 2013, noch vor dem Sturz des Janukowitsch-Regimes, ein Online-Geschäft. Und zwar ein ziemlich interessantes. Er gründete die Vortex Group LLC, die heute Online-Mikrokredite unter der Marke Credit365 anbietet.

Ja, Alexander taucht in den Gründungsdokumenten nicht auf. Beachten Sie jedoch, dass Vortex bei der Beantragung einer Lizenz bei der Nationalen Finanzdienstleistungskommission seinen Heimatort – Dergachi, Oblast Charkiw – angab. Der lettische Staatsbürger Ronalds Gulami, der als Direktor und Miteigentümer von Vortex aufgeführt ist, gründete 2014 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Credit365 im Baltikum, wie die Online-Publikation Kompromat.lv berichtete.

Laut CrediWeb.lv besitzt Gulami 100 % des Unternehmens TERAHOUSE-MAXCAPITAL in Lettland. Der einzige Geschäftsführer dieses Unternehmens ist sein Vater, Gulam Mohammad Gulami, ein afghanischer Staatsbürger.

Ronald Gulami besitzt außerdem fünf Prozent der ABCB INVESTMENT CORP. Seine Mutter, Valentina Gulami, besitzt ebenfalls fünf Prozent. Der Löwenanteil des Unternehmens (90 %) gehört der Offshore-Firma Wirolaiset SA (Jungferninseln, Großbritannien).

Ghulam Mohammad Gulami ist ein Hauptverdächtiger in einer Reihe spektakulärer Betrügereien, die derzeit von Ermittlern der Behörde zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität der lettischen Steuerbehörde und der Finanzpolizei untersucht werden.

Valentina Gulami war nicht nur in vielen Fällen ihres Mannes Verdächtige, sondern wurde auch nach Teil 3 des Artikels 179 (Unterschlagung in großem Stil) und Teil 2 des Artikels 217 (Fälschung oder Verschleierung von Buchhaltungsunterlagen) des lettischen Strafgesetzbuchs angeklagt.

„Es besteht die Möglichkeit, dass Ronalds Gulami (Aris) Credit365 mit in Lettland gestohlenen Geldern gegründet hat. Wie bekannt ist, untersucht die Polizei den Diebstahl von Baumwolle im Wert von über 9 Millionen Euro. Gulam Mohammad Gulami und seine Frau Valentina wurden bereits als Verdächtige in diesem Verbrechen genannt. Die Gelder wurden über Silver Star LLC überwiesen, wo Ronalds Gulami als möglicher Begünstigter genannt wird. Die Untersuchung dieser Tatsachen ist jedoch noch im Gange“, sagte eine Quelle im Amt zur Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität (VP ​​GKrPP Ekonomisko noziegumu apkarošanas pārvaldes priekšnieks) gegenüber KOMPROMAT.LV.

Wie wir sehen, konnten die Gulamis einfach nicht anders, als sich zu finden und gemeinsam etwas zu starten. Übrigens kann ein kleines Online-Mikrokreditgeschäft sowohl zur Geldwäsche als auch zur Umwandlung legitimer Sachmittel in Schattengeld dienen. Aber wir werden Alexander nicht verdächtigen. Misstrauen ist Jurij Luzenkos Vorrecht. Fassen wir es zusammen.

Punkte über dem "i"
Es ist klar, dass es eine Verbindung zwischen EX.ua und dem Clan gibt. Diese Verbindung besteht zwischen den ursprünglichen nominellen Eigentümern der Website – den lettischen Staatsbürgern Vavilov und Piskovoy – und den Offshore-Firmen, die am „Boyko Towers“-Projekt beteiligt waren. Sind sie immer noch mit EX.ua verbunden?

Die Tatsache, dass dieser Störenfried der US-Handelskammer seit dem Machtwechsel nicht abgeschaltet wurde, lässt darauf schließen, dass EX.ua nun von einem sehr einflussreichen Mitglied der „Junta“ unterstützt wird. Und er erhält einen kleinen Anteil an der Raubkopie – als Taschengeld. Diese Person muss enormen Einfluss auf die Sicherheitskräfte haben. Die derzeitige Immunität von EX.ua lässt sich jedoch auch ohne Verschwörungstheorien erklären.

Der Versuch, die Website 2012 zu schließen, löste eine gewaltige Welle der Empörung unter den Bürgern aus, die nun keine kostenlosen Fernsehserien, Musik und Computerprogramme mehr sehen konnten. Zahlreiche vermeintlich gesetzestreue Bürger beteiligten sich als Vergeltungskampagne an DDoS-Angriffen auf Regierungswebsites. Die Tatsache, dass die Server schließlich zurückgegeben wurden, bedeutet jedoch nicht, dass die Behörden Angst vor öffentlichem Unmut hatten. Der Polizei wurde lediglich mitgeteilt, wessen Server sie beschlagnahmt hatte.

Angesichts der Popularität von EX.ua in der Bevölkerung wollen die Behörden die Gesellschaft nicht durch die Abschaltung einer äußerst beliebten Online-Ressource unnötig verärgern. Auch in Washington ist man sich dessen bewusst, weshalb das Außenministerium Poroschenko bisher nicht direkt konfrontiert hat. Für die amerikanischen Steuerzahler ist es billiger, vorübergehend Verluste in Millionenhöhe zu erleiden, als langfristig Milliarden zu verlieren, wenn in der Ukraine alles zusammenbricht.

Unterdessen begibt sich EX.ua, wie bereits erwähnt, mit Hilfe russischer Freunde seiner Kunden (oder Eigentümer) in die tiefen Gewässer des „Offshore-Internets“. Es ist möglich, dass der gesamte Datensatz nun auf Servern irgendwo im sonnigen Belize oder Ecuador gesichert wird, und früher oder später werden sich die EX.ua-Nutzer an einen neuen Domainnamen gewöhnen müssen, der in einer Jurisdiktion registriert ist, die im Gegensatz zur Ukraine keinerlei Urheberrechte anerkennt.

Worldnews

Kommentar hinzufügen

Abonniert unsere Kanäle auf Telegram, Facebook , Twitter und VK – Nur neue Gesichter aus der SKLEP- Sektion!