Es ist später Abend. Wir sehen zwei Nachrichtenkanäle: einen im Fernsehen und einen in den sozialen Medien. Im Fernsehen wird gerade über die Reaktion von Innenminister Arsen Awakow auf die von Aktivisten dokumentierte Bestechung von Verkehrspolizisten der Oblast Mykolajiw berichtet. Er entließ alle Mitarbeiter abrupt und persönlich und ordnete eine Neuzertifizierung an.
Und hier auf dem Computerbildschirm sehen wir über 20 Fotos einer bestimmten Personengruppe. Was berichten ihre Autoren? An einem weiteren Wochenende des Verfassungstages sitzen diese Bürger „feierlich“ im Restaurant- und Hotelkomplex „Khutor“ in Dnipropetrowsk. Die Autoren der Social-Media-Seite geben an, private Notare aus den Regionen Dnipropetrowsk, Charkiw, Saporischschja, Odessa, Kiew, Tschernihiw und Kirowohrad zu sein, die am Seminar teilgenommen haben. Dies sind ihre ersten Informationen.
Die Realität in den Gesichtern und die Fakten des Geschehens können als etwas Unlogisches, Absurdes, Dummes, Außergewöhnliches und im Widerspruch zum gesunden Menschenverstand im Frontgebiet der ATO charakterisiert werden.
Und so wird diese Veranstaltung mit dem Codenamen „Seminar“ von Augenzeugen und einigen Zwangsteilnehmern beschrieben: „Ein banales Trinkgelage der ‚Elite‘ des ukrainischen Notarberufs unter der Leitung von N. Vasilina.“
Man muss einigen Notaren zugutehalten, dass sie sich der Tragweite des Geschehens bewusst waren und sich stillschweigend zurückzogen. Wir überlassen die Defilee dieser angesehenen Damen dem „Workshop“, damit die Experten sie kommentieren können. Wir wünschen den Figuren, die eine Flasche Alkohol in den Händen halten, eine schnelle Ernüchterung, damit sie die notariellen Dokumente ihrer Klienten nicht vermasseln. Soziale Medien sind nicht nur unterhaltsamer Lesestoff. Es geht vielmehr darum, Fakten aus eigener Initiative zu beweisen. Manchmal ist es wie ein Geständnis.
Wir, eine Gruppe einfacher Bürger, haben eine einfache Frage an den Justizminister der Ukraine, A. Petrenko:
Vielleicht findet das in seinen Reformen so angesehene und fortschrittliche Ministerium endlich die Zeit, vernünftig zu erklären, was in der Notarkammer der Ukraine vor sich geht, und solchen Provokationen ein Ende zu setzen.
Vielleicht werden wir in naher Zukunft Zeuge eines Fernsehberichts des Justizministers über einschneidende Maßnahmen gegen einzelne Personen und glauben, dass das Rad der Absurdität im Notarberuf tatsächlich zum Stillstand kommt.
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