Das Vorspiel zur Konfrontation zwischen der Privat-Gruppe und Poroschenkos Team ist vorbei.
Die ehemaligen Eigentümer der PrivatBank könnten Petro Oleksiyovych und NBU-Gouverneurin Gontareva derzeit in der Ukraine und im Westen vor große Probleme stellen. Ihre Chancen auf eine substanzielle Entschädigung für die verstaatlichte Bank sind deutlich gestiegen. Die Gewinner könnten jedoch im Gefängnis landen.
Im Konflikt zwischen Igor Walerjewitsch und Petro Oleksijowitschs Gruppe weicht die mediale Bespitzelung des Gegners mit Andeutungen und indirekten Warnungen einem „schweren Artilleriefeuer“. Die vorläufige Analyse der Drohungen und der Aussichten auf ihre Umsetzung ist geradezu amüsant. Die Pattsituation hielt nicht einmal eine Woche – die Beteiligten verloren schlicht die Nerven. Unterdessen versuchen beide Hauptakteure, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Kolomojskij bringt die ehemalige Führungsspitze der PrivatBank in den Vordergrund, während Poroschenko wie üblich vorgibt, von den Vorgängen überhaupt nichts zu wissen.
Die PrivatBank liegt derzeit in Führung, und Igor Walerijowitsch macht deutlich, dass der Präsident nicht außen vor bleiben kann. Während zuvor die stellvertretende Gouverneurin der NBU, Roschkowa, im Mittelpunkt stand und Poroschenko und Gontarewa unbeteiligt blieben, richten sich die Anschuldigungen nun gezielt gegen Schlüsselfiguren. Der größte Schlag für Kolomojskyjs Team waren die Online-Enthüllungen von Victoria Strachowa, die als Projektmanagerin für das Finanzministerium, die NBU und die Präsidialverwaltung zur Verstaatlichung der PrivatBank tätig war. Daher kannte sie alle Details. Ihre Worte könnten durchaus als Argumente vor Gericht und als Grundlage für staatliche Ermittlungen gegen die Angeklagten dienen.
Die Details und alle ihre Aussagen sind online veröffentlicht und für jeden einsehbar. Kurz gesagt, laut Strakhova hätte die PrivatBank gerettet werden können. Sie habe einen guten Kundenservice geboten und sich trotz des Online-Informationskriegs gegen sie behauptet. Die ehemalige Managerin nennt den Grund direkt: Kolomoiskys Konflikt mit Poroschenko. Dies sei keine Rache des Präsidenten an dem Oligarchen gewesen, sondern ein Präventivschlag. Aus politischer Sicht ist dies vollkommen logisch, westliche Unternehmen und europäische Gerichte könnten anderer Meinung sein. Wenn eine funktionierende Bank auf Geheiß des Staatsoberhauptes faktisch „aus dem Markt gedrängt“ wurde, ist das eine sehr ernste Angelegenheit. Dass die notwendigen Informationen schnell und präzise zusammengetragen und über die Medien verbreitet wurden, versteht sich von selbst.
Die Gegenreaktion ließ nicht lange auf sich warten. Natürlich bot Petro Poroschenko keine persönliche Rechtfertigung an, und defensives Vorgehen ist generell zum Scheitern verurteilt. Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko deutete behutsam auf die ernsten Probleme hin, mit denen Igor Walerijowitsch und sein Team konfrontiert sind. Übrigens war dieser Hinweis tatsächlich sehr behutsam, was für Jurij Luzenko, einen Meister scharfer Worte und harter Einschätzungen, eher ungewöhnlich war. Offenbar ist dieses Team noch nicht bereit, sich auf einen Kampf der gegenseitigen Vernichtung einzulassen, sondern lässt seinen Gegnern die Möglichkeit, mit minimalen Verlusten Kompromisse einzugehen.
Von der Generalstaatsanwaltschaft gab es keine offiziellen Erklärungen, und die Medien erhielten keine Pressemitteilungen wie: „Mitarbeiter eines großen Finanzinstituts, ‚P‘, handeln im Interesse Dritter und verstoßen dabei gegen das Gesetz…“ Nichts dergleichen geschah. Auch die Ermittler äußerten sich nicht öffentlich über den bevorstehenden Abschluss der Ermittlungen, schwerwiegende Vorwürfe oder bevorstehende Festnahmen. Alles geschah diskret, sorgfältig und sogar bequem. Aber auf eine Art und Weise, die sicherstellte, dass keine interessanten Informationen auf taube Ohren stießen.
Am Montag, dem 31. Juli, lud Jurij Luzenko ein Team bekannter Online-Blogger ein, um die Lage in der Generalstaatsanwaltschaft zu diskutieren. Einerseits garantiert dies die größtmögliche Resonanz – selbst fünfzehn Personen mit 20 bis 100 Abonnenten (multipliziert mit Reposts und der Medienberichterstattung dieser Blogs) ergeben ein Publikum, mit dem keine ukrainische Website mithalten kann. Andererseits gab es keine offizielle Pressekonferenz, und Jurij Witaljewitsch gab keine Erklärung gegenüber den Medien ab, was bedeutet, dass es sich nur um Gespräche handelte. Völlig informell. Es wurde ein breites Spektrum an Themen im Zusammenhang mit der Arbeit der Generalstaatsanwaltschaft behandelt. Unter den verschiedenen Themen wurden auch Fakten über die PrivatBank besprochen. Und zwar nicht in Form von Anklagen, sondern bisher ausschließlich in Form von Fragen und Antworten. Sehr einfache und vielversprechende Antworten.
Ich möchte Ihnen die Zahlen aus der PrivatBank-Untersuchung nennen. Ist es in der Ukraine möglich, Kredite in Höhe von 3 Milliarden Dollar zu 1,5 Prozent Zinsen über 40 Jahre zu erhalten? Manche Unternehmen können das. Ist es möglich, 193 Kredithistorien von juristischen Personen mit angemessenen Sicherheiten in Höhe von insgesamt 1 Milliarde Dollar in 36 mit fragwürdigen Sicherheiten und dann in neun Fälle von Privatpersonen ohne Sicherheiten umzuwandeln? Ja, das ist möglich. Außerdem wird das Verfahren – ein Kreditrat, ein NBU-Beobachter – gesetzeskonform durchgeführt. Ein Bewohner eines kleinen Dorfes in der Region Saporischschja mit einem Kredit von 141 Millionen Dollar? Ja, das ist möglich. Außerdem gibt es solche Machenschaften seit 2009. Und jetzt ist es an der Zeit, dass jemand erklärt, warum das möglich war …
Glauben Sie, dass solche Andeutungen für einen intelligenten Gesprächspartner ausreichen? Das Problem ist jedoch, dass Ihor Kolomojskyj nicht nur intelligent, sondern auch ein extrem spielerischer Spieler ist. Er ist ein Spieler, der bereit ist, den Einsatz ungeachtet der Risiken zu erhöhen, bis sein Gegner schwächelt. Und genau dieser Stil macht ihn zu einem sehr schwierigen Gegner für den vorsichtigen Poroschenko, der versucht, seine Ziele in kleinen Schritten zu erreichen und öffentliche Skandale zu vermeiden. Doch im Moment hat Kolomojskyj die Initiative inne, und das Spiel entwickelt sich in seiner charakteristischen Art und Weise. So sitzen die Spieler am Tisch, erhöhen ständig den Einsatz und machen sich gegenseitig klar, dass Bluffen nicht in Frage kommt.
Beide haben starke Karten. Aber nicht zur Verteidigung, sondern ausschließlich zum Angriff. Und wenn der Kampf bis zum bitteren Ende weitergeht, wird es zwischen diesen beiden keine Gewinner geben. Es wird zwei Verlierer geben. Wissen Sie übrigens, was Tertius gaudens aus dem Lateinischen übersetzt? Der dritte jubelt. Oder jubelnd...
Basierend auf Materialien von: "Anticor"
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