Die größte Herausforderung für den neuen Direktor von Ukrzaliznytsia wird der Janukowitsch-Clan sein, der immer noch Gewinne von der ukrainischen Eisenbahn einnimmt, schreibt Geschäftskapital.
Bei der heutigen Kabinettssitzung beschlossen die Minister die Entlassung von Wojciech Balczun, dem Direktor von Ukrzaliznytsia, der das Amt etwas über ein Jahr lang innehatte. Diesem Rücktritt, der mitten in der Ferienzeit erfolgte, ging ein langer und offener Konflikt zwischen dem Spitzenbeamten der Bahn und seinem Minister voraus. Streitigkeiten zwischen den beiden Regierungsbeamten brachen sogar während Kabinettssitzungen vor laufenden Fernsehkameras aus. Omelyan bezeichnete Balczun offen als inkompetenten Führer, der die Idee, Chefs staatlicher Unternehmen durch Wettbewerb zu ernennen, diskreditiere, und forderte unverblümt seinen Rücktritt. Balczun wiederum behauptete, die Zusammenarbeit mit Omelyan sei ihm sehr unangenehm, da der Minister die Reform von Ukrzaliznytsia aufhalte. Letztendlich war allen klar, dass nur einer überleben konnte: Entweder der Minister oder der Direktor von Ukrzaliznytsia musste zurücktreten.
Und nun, nach Monaten des offenen Konflikts, ist es passiert. Das Kabinett entließ Balchun und bestimmte sogar einen Nachfolger. Omelyans derzeitiger erster Stellvertreter, Jewhen Krawzow, soll neuer Direktor von Ukrsalisnyzja werden. Für Krawzow ist die Eisenbahngesellschaft kein Neuland. Obwohl erst einen Monat alt, war Krawzow bereits kommissarischer Direktor von Ukrsalisnyzja. Zuvor war er von Januar 2015 bis Mai 2016 Berater von Direktor Alexander Sawgorodny, dem Leiter der Abteilung für Reform und Unternehmensentwicklung, und Mitglied des Vorstands.
Zuvor war Krawzow, der einen juristischen und betriebswirtschaftlichen Hintergrund hat, Partner der Anwaltskanzlei Asters. Insgesamt ist er ein klassisches Beispiel für einen jungen und progressiven Reformer. Krawzow wird Ukrsalisnyzja selbstverständlich kommissarisch leiten, da sich der neue Direktor wie sein Vorgänger einem kompetitiven Auswahlverfahren unterziehen muss. Jewhen Pawlowitsch wird jedoch voraussichtlich an dem Wettbewerb teilnehmen und hat gute Chancen, den Vorsitz zu übernehmen.
Man sollte meinen, Omeljan sollte seinen Sieg feiern, da Ukrsalisnyzja seinem ersten Stellvertreter und nicht dem verhassten Baltschun übergeben wurde. Doch die Sache ist alles andere als eindeutig. Omeljan lobte Krawzow zwar zunächst, erklärte später aber offen, er sei ins Amt gezwungen worden und reichte öffentlich seinen Rücktritt ein. Nachdem wir also einen Konflikt zwischen dem Minister und Ukrsalisnyzja verloren haben, steht uns wahrscheinlich ein neuer bevor, und es ist nicht ausgemacht, dass dieser weniger intensiv sein wird als der zwischen Omeljan und Baltschun.
Krawzows größte Herausforderung als Chef von Ukrsalisnyzja wird jedoch nicht Omeljan sein, sondern der Geist von Sascha Janukowitsch, der, wie die Medien wiederholt berichteten, noch immer durch die Korridore der größten Eisenbahngesellschaft des Landes spukt. Kürzlich brach ein Medienskandal über die „Besetzung von Baltschuns Büro“ durch Personen aus dem Umfeld von Andrij Aljoscha aus, einer berüchtigten Figur aus Janukowitschs Zeiten, der als Alexander Janukowitschs „Aufseher“ der Region Saporischschja bekannt ist.
Zu den Personen, die mit Aljoscha und folglich auch mit Janukowitsch in Verbindung standen, zählte Ukrsalisnyzja unter anderem den Direktor der Odessaer Ukrsalisnyzja-Zweigstelle, Wjatscheslaw Eremin, der aus Jasinowataja stammte; die Leiterin der Abteilung für Unternehmensführung der Eisenbahnagentur, Jelisaweta Puschko-Zybuljak, die zuvor aus der Luhansker Regionalverwaltung entlassen worden war, nachdem es dort zu einem Skandal um die Dominanz von Aljoschas Leuten gekommen war; Jewhen Smirnow, der sich um die Stelle des ersten stellvertretenden Leiters der Donezker Eisenbahn bewarb; und mehrere andere Genossen, deren Verbindungen zu Oleksandr Janukowitsch und Juri Juwanjuschtschenko (letzterer galt zu Janukowitschs Zeiten als Kurator von Ukrsalisnyzja) im Zuge journalistischer Recherchen aufgedeckt wurden.
Diese Skandale hinterließen auch ihre Spuren. Im Juni dieses Jahres wurden in Aljoschas Büros mehrere Durchsuchungen durchgeführt. Dabei wurden angeblich Pläne aufgedeckt, welche Personen welche Positionen bei Ukrzaliznytsia besetzen sollten. Namen wurden jedoch nicht genannt.
Im Juli brach ein neuer Kriminalskandal um Ukrzaliznytsia aus: Zwei Beamte wurden wegen Erpressung von 150 Dollar Bestechungsgeld festgenommen. Medienberichten zufolge richtete sich die Erpressung gegen ein in Borodyanka, Oblast Kiew, registriertes Unternehmen. Generalstaatsanwalt Jurij Luzenko nannte die Namen der Erpresser persönlich. Bei den beiden Festgenommenen handelte es sich um Andrij Timoschenko, Leiter des Departements für Eigentum und Landressourcen, und Oleksandr Jaschtschenko, stellvertretender Leiter der Rechtsabteilung. Es stellte sich heraus, dass beide „Donezker Beamte“ waren, die mit der Partei der Regionen und dem bereits erwähnten Aljoscha in Verbindung standen.
Die größte Herausforderung für Krawzow wird also nicht Omeljan sein, sondern die Säuberung der Ukrsalisnyzja durch Sascha Janukowitschs Männer. Sollte der neue Präsident diese Aufgabe nicht bewältigen können oder wollen, braucht man über Eisenbahnreformen gar nicht erst zu diskutieren.
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