Der Skandal um die Vermögenserklärung: Gibt es eine Chance, korrupte Beamte zur Rechenschaft zu ziehen?

Um zu verstehen, welche Auswirkungen die Geschichte der elektronischen Erklärungen auf die ukrainische Politik haben wird, sprach FaceNews mit einem politischen Analysten und einem Anwalt.

elektronische Erklärung
Die Geschichte der elektronischen Erklärungen ukrainischer Politiker und Beamter hat das Land erschüttert. Ursprünglich wurde das elektronische Erklärungssystem so positioniert, dass es unter anderem die strafrechtliche Verfolgung von Beamten ermöglichen würde, die ihren wahren Reichtum verheimlichen, und von solchen, die die Herkunft ihres Vermögens nicht erklären können.

In Wirklichkeit verkündeten die Politiker eine Menge: teure Uhren und Autos, Millionen Griwna und Dollar in bar, Privatkirchen und zahlreiche Gemälde. Offensichtlich waren es die Erklärungen der Volksvertreter, die bei den Ukrainern für die größte Aufregung sorgten. Der Journalist Kostjantyn Stognij weist darauf hin, dass nach Berechnungen des Programms „Nadswytschajni Nowyny“ jeder Abgeordnete durchschnittlich 31 Millionen Griwna besitzt.

So deklarierte beispielsweise der Abgeordnete Serhij Melnytschuk ein Vermögen von einer Billion Griwna, bestritt jedoch später, über diesen Betrag zu verfügen. Melnytschuks Parlamentskollege Wolodymyr Parasjuk gab an, ein Geschenk vom Heiligen Nikolaus zu besitzen, zeigte sich jedoch später überrascht, warum dies die öffentliche Aufmerksamkeit erregte. Was sein Bargeldvermögen betrifft, so deklarierte der Vorsitzende der Radikalen Partei, Oleh Ljaschko, 740.000 Dollar, 90.000 Euro und Griwna in bar.

Ruslan Kermach, Politikanalyst bei der Stiftung „Demokratische Initiativen“, weist darauf hin, dass es für die Nationale Agentur für Korruptionsprävention (NACP) nun entscheidend sei, Dokumente effektiv und unparteiisch zu prüfen. Auch der Medienfaktor sei wichtig. „Es gibt Erklärungen von Menschen, die, wie ihre Biografien zeigen, ihr ganzes Leben im öffentlichen Dienst oder in der Politik verbracht haben, ohne irgendwelche Geschäftsinteressen zu haben. Diese Menschen geben phantastische Beträge an, die in keinem Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Gehalt stehen. Die entscheidende Aufgabe der NACP besteht nun darin, deren Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Dieses Thema sollte auch in der Öffentlichkeit im Fokus stehen“, erklärt Kermach.

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Was den möglichen Reputationsschaden für bestimmte Parteien angeht, so weist der Politologe darauf hin, dass der Solidaritätsblock um Petro Poroschenko wahrscheinlich die Hauptlast tragen wird. Der Analyst erklärt, dass regierungsnahe Parteien nach dem Euromaidan ihre Macht gefestigt hätten und sich für die Bekämpfung von Korruption und die Förderung von Regierungstransparenz einsetzen.

Kermach fügt hinzu: „Es ist möglich, dass die Radikale Partei nach Ljaschkos Erklärung auch einen Reputationsschaden erleidet. Timoschenko beispielsweise hat eine ziemlich gute Erklärung, aber auch hier muss sie die Richtigkeit ihrer Aussagen bestätigen, denn auch falsche Angaben in Erklärungen können strafrechtlich verfolgt werden.“

Was den rechtlichen Aspekt von Erklärungen angeht, weist Rechtsanwalt Roman Maselko darauf hin, dass Erklärungen zwar ein wichtiger Schritt, aber nur der erste Schritt seien. „Erklärungen selbst sind ein Mechanismus, um Regierungsbehörden von skrupellosen Beamten, Richtern und Strafverfolgungsbeamten zu befreien“, betont der Rechtsanwalt.

Ihm zufolge hat das NAPC eine Reihe von Aufgaben im Zusammenhang mit der Analyse von Erklärungen. Sie müssen nicht nur feststellen, ob eine Erklärung rechtzeitig eingereicht und korrekt ausgefüllt wurde, sondern auch etwaige Unstimmigkeiten in diesen Erklärungen identifizieren und entsprechend reagieren.

Hinsichtlich der möglichen rechtlichen Konsequenzen von Verschleierungen oder falschen Angaben in Erklärungen nennt Maselko mehrere Optionen. Erstens die Verwaltungshaftung. Liegt die Differenz zwischen dem angegebenen und dem tatsächlichen Vermögen zwischen 100 und 250 Mindestlöhnen, greift die Verwaltungshaftung und das Gericht verhängt eine Geldstrafe gegen den Erklärenden.

Die zweite Möglichkeit ist die strafrechtliche Verantwortlichkeit. „Wenn der falsch oder nicht deklarierte Betrag 250 Mindestlöhne übersteigt, also derzeit rund 344 Griwna, handelt es sich um eine Straftat“, erklärt der Anwalt.

Maselko fügt hinzu, es gebe ausreichende Mechanismen, um tatsächlich korrupte Beamte zu untersuchen und zur Rechenschaft zu ziehen. Die Frage sei, ob diese ordnungsgemäß und gewissenhaft angewendet würden. „Wir hatten damit schon immer Probleme. Wir hatten immer Erklärungen. Sie enthielten weder Bargeld noch konkrete Vermögensangaben. 90 Prozent dieser Informationen wurden bereits gesammelt. Aber wie viele korrupte Beamte wurden bestraft? Null. Das war das Hauptproblem. Der entscheidende Punkt ist nun, dass es angeblich neue Behörden gibt, die bereit sind, die Überwachung durchzuführen, und dass es eine Gesellschaft gibt, die bereit und sachkundig ist, wie das geht. Sie haben es bereits gelernt“, so der Anwalt abschließend.

Sofiko Wekua, Facenews

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