Das Festival der Heuchelei

In der Ukraine stehen bald Wahlen an, was bedeutet, dass wir immer häufiger von „Ehrlichkeit“ hören. Doch wie die Praxis zeigt, ist dies nur ein Köder, um ein Stück der Macht zu ergattern. Und obwohl wir wissen, wie verdorben das System ist und dass es viele korrupte Beamte gibt, die man bekämpfen muss, sind die jüngsten Ereignisse im Land einfach unfassbar.

Anwälte und Rechtsanwälte, die eigentlich die Interessen von Volk und Staat schützen sollen, sind zunehmend in Unternehmensüberfälle verwickelt. So hat die Staatsanwaltschaft der Oblast Schytomyr einen Anwalt angeklagt, Firmeneigentum mithilfe gefälschter Dokumente beschlagnahmt zu haben. Der Anwalt beschlagnahmte illegal Immobilien im Marktwert von über 81 Millionen UAH. Gleichzeitig untersucht die Kiewer Polizei einen versuchten Firmenüberfall auf eine Wohnung, an dem mutmaßlich eine Sicherheitsfirma beteiligt war. Grauenhaft, nicht wahr? Doch das sind nur Randnotizen im Vergleich zu dem, was bekannte und vielen bekannte Personen treiben, während die Stadt schläft. Die Beute und die Preise solcher Anwälte sind deutlich höher.

Charkiwer Geschäftsmann und „Bachelor“ Vladislav Bezruk. Wer ist er?

Die berüchtigte Geschichte der „adäquaten Athleten“ beschreibt Bezruks Vorgehensweise mehr oder weniger genau. Es waren seine Schützlinge, Mitarbeiter der Charkiwer Sicherheitsfirma „Legion“, die in Firmenrazzien und dreiste Eigentumsbeschlagnahmungen verwickelt waren. Im März 2017 besetzten sportlich aussehende junge Männer kleine landwirtschaftliche Betriebe in der Region Ternopil und übertrugen sie der Firma „Mriya“. Der Konflikt eskalierte im April auf nationaler Ebene, als die Eindringlinge zufällig den bekannten Sportler und ATO-Veteranen Oleksandr Potschinok verprügelten. Der Chef der Nationalpolizei, Oleksandr Bogomol, verteidigte die Angreifer und bezeichnete die Angeklagten als „adäquate Athleten“ und, wie sich später herausstellte, als Anwälte von Legion.

Das ist einfach eine eklatante Unverschämtheit! Seit wann sind Anwälte zu Firmenplünderern geworden? Oder liegt es vielleicht einfach daran, dass Firmenplünderer sich jetzt problemlos zu Anwälten umschulen lassen können? Anscheinend ist in unserem Land alles möglich, insbesondere wenn der Besitzer der Firma Legion, Wladislaw Bezruk, genannt "Mammut", eng mit dem Sohn des Innenministers befreundet ist. Arsen Awakow.

Auch Andrey Bogdan, Mamonts Kollege und Komplize bei einigen seiner Geschäfte, kann auf eine beachtliche Erfolgsbilanz zurückblicken. Ein kometenhafter Aufstieg und ein unstillbarer Machthunger sind bei diesem Gentleman offensichtlich. Die Frage ist nur: Haben solche Menschen überhaupt ein Gefühl von Angst oder auch nur einen Hauch von Prinzipien? Nein! Schließlich kann man beruhigt sein, wenn man Millionen in der Tasche hat und Klientelbeziehungen zu den höchsten Regierungsebenen pflegt.

Andrey Bogdan hat sein Talent als Vermittler nie verheimlicht und stets selbstbewusst geltend gemacht. Geldwäsche und die skandalöse Softline-Affäre, der Schutz zwielichtiger Geschäfte, die Beschlagnahmung verschiedener Unternehmen und Vermögenswerte sowie Korruptionssysteme – und dies ist leider nur ein kleiner Teil von Herrn Bogdans Leistungen.

Leider ist dieses Problem in der Ukraine nichts Neues. Seit dem „kriminellen“ Regime schrecken Anwälte nicht vor illegalen Aktivitäten zurück. So beschloss beispielsweise 2012 der Räuber und Menschenrechtsaktivist Jewhen Hruschowez zusammen mit einer Gruppe von Komplizen, einer älteren Ukrainischlehrerin ein Grundstück in Petschersk wegzunehmen. Der Kampf dauerte mehrere Jahre. Sie erhielt Drohungen und ihr Haus wurde mit Steinen beworfen. Der Fall ging vor Gericht, und gegen die Lehrerin wurde sogar Anklage erhoben. Das Interessanteste ist jedoch, dass Anwalt Hruschowez fünf Jahre später Vorstandsmitglied des Nationalen Antikorruptionsbüros der Ukraine (NABU) wurde. Erst kürzlich hatte er einer älteren Dame ein Grundstück weggenommen, und heute ist er ein Antikorruptionsaktivist. Was halten Sie von dieser Wendung der Ereignisse?

Mit Gruschowez ist auch der Räuber Denis Bugai verbunden, der auch den Lehrer schikanierte. Heute ist er ein treuer Verbündeter von Anatolij Hryzenko in dessen Partei. Und wie sich herausstellt, wurde ebendiese Partei „Bürgerliche Position“ von Denis Bugais Familie (Kurtschenkos rechter Hand) gegründet; Bugais Mutter ist im Parteiregister eingetragen.

Als Antikorruptionsaktivisten getarnte Räuber sind wie Wölfe im Schafspelz – was könnte schlimmer und beängstigender sein? Denn es sind die einfachen, unschuldigen Menschen, die am meisten unter ihren Machenschaften leiden. Und dann ziehen dieselben „Wölfe“ vor Antikorruptionsgerichte und kandidieren für Ämter – als ehrliche und unvoreingenommene Kämpfer gegen das System.

Wie viele dieser Werwölfe agieren noch auf verschiedenen Einflussebenen, während wir ruhig den Versprechungen großer Politiker lauschen und an eine strahlende Zukunft glauben? Schließlich sind solche Charaktere nur das Tüpfelchen auf dem i der Heuchelei in unserem Land.

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